Probelesen
“Wenig später saßen Dido und ihre Mutter im Büro einer Kriminalinspektorin. Sie hatte kurze blonde Haare, wollte einfach Teresa genannt werden und sah kein bisschen gefährlich aus. Dido beruhigte sich selbst damit, dass sicher irgendwo ein paar fähige Kommissare im zerknautschten Trenchcoat auf ihren Einsatz warten. Jedenfalls lachte diese Teresa nicht im Mindesten über Didos Bericht, sondern stellte Zwischenfragen und machte Notizen. `Bruno meint, die Polizei interessiert sich für so etwas nicht. Weil es ja nur um einen Dackel geht´, schloss Dido.
Teresa schüttelte entschieden den Kopf. `Wir nehmen so etwas ernst´, sagte sie. `Kannst du mir heute in der Pause deinen Freund Bruno zeigen? Ich komm in die Schule. Wir müssen sowieso mit der Schulleitung reden.´
`Was haben Sie vor?´, fragte Dido.
`Wir werden Bruno morgen folgen und wenn die drei ihm sein Geld abnehmen wollen, werden wir sie uns schnappen´, sagte sie. `Bruno sollte gar nicht darüber Bescheid wissen, dann verhält er sich natürlicher.´
`Aber was, wenn die Typen sich später an Bruno rächen wollen und Leopold etwas antun – dann bin ich schuld´, sagte Dido besorgt.
Teresa schüttelte sehr entschieden den Kopf. `Dieser Leopold wird der sicherste Hund in der Stadt sein. Wir werden den dreien schon klar machen, dass sie voll dran sind, wenn dem Dackel auch nur ein Rauhaar gekrümmt wird.´
`Ich komm mir vor wie ein Verräter´, sagte Dido düster. `Bruno wird nie wieder ein Wort mit mir reden.´
`Du hast genau das Richtige getan´, sagte die Kriminalinspektorin. Aber Dido war plötzlich nicht mehr davon überzeugt.
Dido kam zu spät in die Schule. `Wo warst du denn?´, fragte Bruno nach der Rechenstunde.
`Zahnarzt´, sagte Dido und fühlte sich elend bei dieser Lüge.
`Alles o.k.?´, erkundigte sich Bruno mit der allernettesten Bruno-Stimme.
Dido nickte und fühlte sich noch elender.
In der großen Pause kaufte Dido eine Zimtschnecke und teilte sie in zwei Teile. Dann sah sie die Kriminalinspektorin mit fragendem Blick neben dem Buffet stehen. Dido deutete mit einer Kopfbewegung auf die Klassentür.
Sie ging zu Brunos Platz und legte die halbe Zimtschnecke vor ihn auf den Tisch. Bruno schüttelte wortlos den Kopf. `Na schön´, sagte Dido. `Du kannst sie essen oder meinetwegen aus dem Fenster werfen.´
Aus dem Augenwinkel sah sie, wie die blonde Kommissarin an der Klassentür auftauchte und wieder verschwand. Hatte Bruno bemerkt, dass jemand sich eben sein Gesicht eingeprägt hatte?“
(Seite 24 – 26)